Ein praktischer Leitfaden zur Karriere-Reflexion zum Jahresbeginn
Das neue Jahr ist gerade ein paar Tage alt, und überall hörst Du vermutlich die gleichen Vorsätze: „Dieses Jahr wird alles anders!” Lass mich ehrlich sein: Die meisten Neujahrsvorsätze überleben den Januar nicht. Aber weißt Du, was wirklich funktioniert? Eine solide Selbstreflexion, die Dir Klarheit über Deine berufliche Richtung gibt.
Nach 25 Jahren in der Karriereberatung kann ich Dir eines versichern: Das Spiel beginnt immer wieder neu. Egal, wo Du gerade stehst – ob im Bachelor, Master, nach einem Praktikum oder in der Orientierungsphase – 2026 kann tatsächlich Dein Karriere-Jahr werden. Aber nur, wenn Du weißt, wer Du bist und was Du mitbringst.
Warum diese Reflexion jetzt wichtig ist
Bevor Du Dich auf die nächste Bewerbung stürzt oder das x-te Praktikum suchst, solltest Du einen Schritt zurücktreten. In meinen Beratungsgesprächen erlebe ich immer wieder, dass Studierende ihre eigenen Stärken nicht benennen können. Oder noch häufiger: Sie kennen sie, aber sie können sie nicht konkret belegen. Das ist fatal – denn genau das wird in Vorstellungsgesprächen von Dir erwartet.
Die Übung, die ich Dir heute vorstelle, ist keine nette Selbstfindungs-Spielerei. Sie ist knallhartes Karriere-Handwerk. Und sie dauert vielleicht zwei Stunden Deiner Zeit. Eine Investition, die sich auszahlt.
Die vier Dimensionen Deiner Stärken
Lass uns strukturiert vorgehen. Ich unterscheide zwischen vier Arten von Stärken, die alle ihre Berechtigung haben:
1. Persönliche Stärken
Das sind Deine charakterlichen Eigenschaften, die Dich als Person ausmachen. Sie sind nicht direkt fachgebunden, aber sie beeinflussen, wie Du arbeitest und wie andere mit Dir zusammenarbeiten.
Beispiel 1: Resilienz „Ich bin resilient und lasse mich von Rückschlägen nicht entmutigen. Als meine erste Bewerbungsphase komplett erfolglos verlief – 23 Absagen in drei Monaten –, habe ich meine Unterlagen komplett überarbeitet, Feedback eingeholt und mit neuer Strategie weitergemacht. Die 24. Bewerbung führte dann zum Erfolg.”
Beispiel 2: Zuverlässigkeit „Auf mich kann man sich verlassen. Als Tutor im dritten Semester habe ich nie eine einzige Sitzung ausfallen lassen, auch nicht während meiner Prüfungsphase. Ich habe meine Verpflichtungen ernst genommen und im Voraus geplant.”
Beispiel 3: Lernbereitschaft „Ich bin neugierig und lerne gerne Neues dazu. Für mein Masterprojekt musste ich mir eine mir völlig fremde Statistiksoftware aneignen. Statt aufzugeben, habe ich mir systematisch Online-Kurse rausgesucht, eine Lerngruppe organisiert und nach vier Wochen konnte ich komplexe Analysen durchführen.”
2. Berufliche Stärken
Hier geht es um Kompetenzen, die branchenübergreifend im Arbeitsleben relevant sind. Das ist das, was Arbeitgeber*innen wirklich interessiert.
Beispiel 1: Projektmanagement „Ich kann komplexe Projekte strukturieren und zum Abschluss bringen. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich zusammen mit zwei Kommilitoninnen ein studentisches Forschungsprojekt koordiniert: Wir haben Interviews mit 30 Personen geführt, die Transkription organisiert, die Auswertung im Team strukturiert und alles in acht Wochen abgeschlossen – pünktlich zur Abgabefrist.”*
Beispiel 2: Analytisches Denken „Ich erkenne Muster und kann aus Daten Schlussfolgerungen ziehen. In meinem Praktikum bei einem Verlag fiel mir auf, dass bestimmte Artikel deutlich häufiger geklickt wurden als andere. Ich habe die Daten der letzten sechs Monate systematisch ausgewertet und drei Faktoren identifiziert, die den Traffic beeinflussen. Meine Handlungsempfehlungen wurden umgesetzt und führten zu 15% mehr Klicks.”
Beispiel 3: Zeitmanagement „Ich schaffe es, auch unter Druck organisiert zu bleiben. Im letzten Semester hatte ich vier Hausarbeiten parallel zu schreiben, nebenbei jobbte ich 15 Stunden pro Woche. Ich habe mir einen detaillierten Zeitplan erstellt, Zwischenziele definiert und alle Abgaben rechtzeitig geschafft – sogar mit guten Noten.”
3. Fachliche Stärken
Das ist Dein konkretes Fachwissen und Deine methodischen Kompetenzen aus dem Studium oder beruflichen Erfahrungen.
Beispiel 1: Datenanalyse „Ich beherrsche R und Python für statistische Analysen. In meiner Masterarbeit habe ich einen Datensatz mit über 5.000 Einträgen ausgewertet, multivariate Regressionen gerechnet und die Ergebnisse visualisiert. Die Auswertung war methodisch sauber und wurde von meinem Professor als Beispiel im Methodenseminar genutzt.”
Beispiel 2: Rechtliche Grundlagen „Ich habe fundierte Kenntnisse im Arbeitsrecht. Während meines Praktikums in der Personalabteilung konnte ich bei der Überarbeitung von Arbeitsverträgen mitarbeiten und habe eigenständig geprüft, ob bestimmte Klauseln zulässig sind. Meine Vorschläge wurden vom Justiziar übernommen.”
Beispiel 3: Content Creation „Ich kann wissenschaftliche Inhalte für verschiedene Zielgruppen aufbereiten. Für die Instagram-Seite unseres Fachbereichs habe ich komplexe Forschungsthemen in verständliche Posts übersetzt – mit hoher Engagement-Rate und positivem Feedback von Professorinnen und Studierenden.”*
4. Soziale Stärken
Diese Kompetenzen betreffen Dein Verhalten in Teams und im Umgang mit Menschen – und sie werden im Berufsalltag oft wichtiger als fachliche Stärken.
Beispiel 1: Teamfähigkeit „Ich arbeite konstruktiv mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen. In einer Gruppenarbeit mit fünf Leuten, die alle sehr verschiedene Arbeitsstile hatten, habe ich moderiert, Kompromisse gefunden und dafür gesorgt, dass jeder sich einbringen konnte. Am Ende war unser Ergebnis das beste im Seminar.”*
Beispiel 2: Empathie „Ich kann mich gut in andere hineinversetzen. Als studentische Hilfskraft in der Studienberatung habe ich gemerkt, dass viele Erstis mit ihren Fragen nicht direkt zum Punkt kommen. Statt ungeduldig zu werden, habe ich gelernt, durch gezielte Nachfragen herauszufinden, was sie wirklich wissen wollen – und das hat die Beratungsqualität deutlich verbessert.”
Beispiel 3: Konfliktfähigkeit „Ich kann Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen. In meinem Nebenjob gab es Spannungen im Team wegen ungleicher Arbeitsverteilung. Ich habe das Thema im Teammeting sachlich angesprochen, Lösungsvorschläge gemacht und wir konnten eine faire Regelung finden, mit der alle leben konnten.”
Jetzt kommt der unangenehme Teil: Deine Schwächen
Lass uns ehrlich sein: Jeder hat Schwächen. Jeder. Und das ist völlig normal. In Bewerbungsgesprächen wird die Frage nach den Schwächen oft als unangenehm empfunden, aber sie ist eigentlich eine Chance zu zeigen, dass Du reflektiert bist und an Dir arbeitest.
Die Kunst liegt nicht darin, Deine Schwächen zu verstecken oder als verkappte Stärken zu verkaufen („Ich bin zu perfektionistisch” – bitte nicht!). Die Kunst liegt darin, zu zeigen, dass Du sie kennst und einen Umgang damit gefunden hast.
Beispiel: „Ich bin manchmal ungeduldig und neige dazu, Entscheidungen zu schnell zu treffen. Das hat mir schon ab und an auch Probleme bereitet, zum Beispiel als ich mich vorschnell für ein Praktikum entschieden habe, ohne alle Optionen zu prüfen. Inzwischen habe ich gelernt, bei wichtigen Entscheidungen bewusst innezuhalten und eine Nacht darüber zu schlafen. In neun von zehn Fällen gelingt mir das auch – und ich merke, dass meine Entscheidungen dadurch besser werden.”
Siehst Du den Unterschied? Du benennst die Schwäche klar, zeigst aber gleichzeitig:
- Du hast die Schwäche erkannt (Reflexion)
- Du weißt, wo sie sich konkret ausgewirkt hat (Selbstwahrnehmung)
- Du hast eine Strategie entwickelt (Lösungskompetenz)
- Du bist realistisch über Deinen Fortschritt (Ehrlichkeit)
Weitere Beispiele für ehrliche Schwächen-Reflexionen:
„Ich tue mich schwer damit, um Hilfe zu bitten. Das hat dazu geführt, dass ich in meiner Bachelorarbeit länger an einem Problem festhing als nötig. Seit einem Semester arbeite ich bewusst daran: Ich habe mir vorgenommen, meine Fragen in der Sprechstunde zu stellen – auch wenn es sich anfangs unangenehm anfühlt.”
„Ich bin nicht besonders gut im Smalltalk und finde Networking-Events anstrengend. Das wurde mir bei einer Karrieremesse bewusst, wo ich ziemlich verkrampft war. Inzwischen bereite ich mich auf solche Situationen vor: Ich überlege mir vorher drei Fragen, die ich stellen kann, und setze mir ein realistisches Ziel – nicht 20 Gespräche, sondern drei gute.”
Was Du jetzt mit dieser Reflexion machst
Diese Übung ist kein Selbstzweck. Sie ist die Grundlage für:
Deine Bewerbungsunterlagen: Jede dieser Stärken kann in Deinem Anschreiben oder Motivationsschreiben zum Argument werden – belegt mit konkreten Beispielen.
Vorstellungsgespräche: Wenn die Frage kommt „Erzählen Sie von Ihren Stärken”, bist Du vorbereitet. Nicht mit hohlen Phrasen, sondern mit Geschichten.
LinkedIn-Profil: Diese Beispiele kannst Du in Deiner „Über mich”-Sektion verwenden, um Dein Profil lebendig zu machen.
Netzwerkgespräche: Wenn jemand fragt „Was kannst Du denn?”, hast Du eine klare Antwort parat.
Mein Rat zum Schluss
Nimm Dir wirklich die Zeit für diese Reflexion. Nicht zwischen zwei Vorlesungen, sondern in Ruhe. Schreib es auf. Sprich mit Freund*innen oder Familie darüber – manchmal sehen andere Stärken in uns, die wir selbst übersehen.
Und denk daran: Diese Stärken und Schwächen sind nicht in Stein gemeißelt. Du entwickelst Dich weiter. In einem Jahr wirst Du andere Beispiele haben, neue Stärken entdeckt haben, an anderen Schwächen arbeiten. Das ist gut so.
Das Spiel beginnt immer wieder neu – und 2026 kann tatsächlich Dein Jahr werden. Aber nur, wenn Du weißt, womit Du spielst.
In diesem Sinne: Viel Erfolg bei Deiner Reflexion!
Hinweis: Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit KI-Unterstützung erstellt. Die fachliche Expertise, der Inhalt und die Verantwortung liegen bei mir als Autor und Karriereberater. Die KI diente als Werkzeug für Struktur und Formulierung.


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