Absagen auf Bewerbungen: „Mache ich etwas falsch?”

Die Frage, die sich viele stellen

Du hast Dich auf mehrere Stellen beworben. Du hast Zeit in Deine Unterlagen investiert, Anschreiben formuliert, Deinen Lebenslauf angepasst. Und dann: Absagen. Womöglich eine nach der anderen. Vielleicht sogar nur Standardabsagen, ohne persönliches Feedback. Die Frage, die dann im Raum steht, ist fast immer dieselbe: „Mache ich etwas falsch?”

Diese Frage höre ich in meinen Beratungsgesprächen regelmäßig. Und in den allermeisten Fällen lautet meine Antwort: Nein.

Die Realität hinter Bewerbungsabsagen

Lass uns ehrlich sein: Eine Absage ist in den wenigsten Fällen eine Absage an Dich als Person oder an Deine Fähigkeiten. Viel häufiger passt aus Sicht des Unternehmens – und das ist wichtig: aus Sicht des Unternehmens, niemals aber aus einer allgemein gültigen Sicht – eine andere Kandidatin oder ein anderer Kandidat besser auf diese spezifische Stelle.

Und „besser” heißt hier oft: marginale Unterschiede. Oft entscheiden winzige Nuancen. Die andere Person hatte vielleicht drei Monate mehr Erfahrung im exakt gleichen Bereich. Oder sie kam aus der gleichen Branche wie das Unternehmen. Oder – und das wird ungern zugegeben – jemand aus dem Auswahlteam kannte sie bereits flüchtig von einer Konferenz und hatte dadurch einen (wenn auch vielleicht unbegründeten) Vertrauensvorschuss.

Tipp an dieser Stelle: Gehe selbst zu Karriere Events und Messen. Dort kannst Du genau solche Kontakte knüpfen. Sie sind kein Privileg weniger “Auserwählter”. Deine Uni veranstaltet bestimmt einige dieser Events, die meist Studierenden aller Fachbereiche offen stehen.

Die Subjektivität von Bewerbungsentscheidungen

Bei Entscheidungsverfahren zu ausgeschriebenen Stellen kommt etwas ins Spiel, das viele Bewerberinnen und Bewerber überrascht: Bewerbungsentscheidungen sind hochgradig subjektiv. Auch wenn es die Entscheiderinnen und Entscheider selbst nicht wahrhaben wollen, spielt ein – ob richtig liegend sei dahingestellt – Bauchgefühl eine erhebliche Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Bewerberin oder einen Bewerber.

Ich formuliere es gerne so: Frag zwei Personalerinnen oder Personaler, was eine gute Bewerbung ausmacht, und Du erhältst mindestens drei verschiedene Bewertungen dazu. Kein Scherz. Was die eine Personalerin als „zu ausführlich” kritisiert, lobt die nächste als „detailliert und informativ”. Was dem einen Entscheider als „zu selbstbewusst” erscheint, ist für die andere „erfrischend direkt”.

Es gibt keine objektive, universell gültige Definition der „perfekten Bewerbung”. Und das bedeutet auch: Es gibt keine objektive, universell gültige Begründung dafür, warum Deine Bewerbung abgelehnt wurde.

Eine Absage ist keine Absage an Dich als Mensch

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt dieses Artikels, und ich möchte, dass Du ihn wirklich verinnerlichst: Eine Absage ist niemals eine Absage an Dich als Mensch.

Du bist gut, wie Du bist. Du kannst etwas. Du hast etwas gelernt. Mit einem Studium oder einer Ausbildung bist Du stets gefragt. Du wirst einen Job finden.

Auch wenn der Weg derzeit über mehr Absagen als noch vor einem Jahr führt. Der Arbeitsmarkt mag gerade angespannter sein. Das ändert nichts an Deinem Wert als Person. Das ändert nichts an Deinen Fähigkeiten. Und das ändert nichts daran, dass es da draußen bestimmt viele Jobs gibt, der zu Dir passen.

Ich selbst habe es mehr als einmal erlebt, dass ich mich erfolglos auf eine – meiner Meinung nach – perfekt auf mich zugeschnittenen Stelle beworben habe. Und zweimal bereits bin ich nach einer Bewerbung “auf gut Glück” bei (m)einem Traumjob gelandet. Nicht lange überlegen. Wenn Dich eine Stelle anspricht, bewirb Dich, versuch Dein Glück und lass Dich nicht davon abschrecken, wenn Du nicht alle Erfahrungen aus der Stellenanzeige mitbringst. Das meiste, was fehlt, lernt man on the job.

Brüche, Lücken und „Scheitern” sind normal

Vielleicht sitzt Du gerade mit einer Reihe von Absagen da und denkst: „Meine Karriere hat noch gar nicht begonnen und ist schon ruiniert. Ich bin gescheitert.” Lass mich Dir von Johannes Haushofer erzählen.

Haushofer ist Professor für Psychologie an der renommierten Princeton University. Und er hat neben seinem klassischen Lebenslauf, der seine Erfolge dokumentiert, einen besonderen Lebenslauf veröffentlicht: seinen „Lebenslauf des Scheiterns” (CV of Failures). Darin dokumentiert er all seine „rejected papers”, abgebrochenen Studien und nicht erfolgreichen Bewerbungen.

Warum tut er das? Um zu zeigen: Neben unseren Erfolgen gehören auch unsere Misserfolge zu unserem Leben. Sie haben maßgeblichen Anteil an der Formung unserer Persönlichkeit. Aus den meisten Krisen gehen wir reifer und gestärkt hervor.

Nach vier Semestern Politikwissenschaft wechselte ich selbst in den Studiengang Soziologie. Zunächst fühlte sich das wie zwei verschenkte Jahre an. Tatsächlich wurde ich darauf nur in einem einzigen Bewerbungsgespräch kurz nach meinem Studium gefragt – und das des ehrlichen Interesses halber, weil die mir gegenübersitzende Personalerin einen ähnlichen Wechsel in ihrem Studium vollzogen hatte. So war das kein Hindernis, sondern der Auftakt für ein gut weiterlaufendes Bewerbungsgespräch.

Was Du tun kannst: Reflexion statt Resignation

Absagen gehören dazu. Das bedeutet nicht, dass Du sie einfach hinnehmen und nichts daraus lernen sollst. Aber es bedeutet: Reflexion ja, Resignation nein.

Wenn Du eine Absage erhältst, nimm Dir einen Moment Zeit für folgende Fragen:

Kurze Selbstreflexion

  • Waren meine Bewerbungsunterlagen aktuell und frei von Rechtschreibfehlern?
  • Habe ich im Anschreiben deutlich gemacht, warum ich mich für diese spezifische Stelle interessiere?
  • Passte die Stelle wirklich zu meinem Profil, oder habe ich mich auch beworben, weil ich dachte „irgendwas muss ja klappen”?
  • Falls ich zu einem Gespräch eingeladen wurde: War ich gut vorbereitet? Kenne ich meine eigenen Stärken und kann ich sie benennen?

Wenn Du bei diesen Fragen ehrlich zu Dir selbst bist und merkst „Ja, da könnte ich mich verbessern”, dann tu das. Aber wenn Du feststellst „Ich habe mein Bestes gegeben und die Unterlagen waren gut”, dann hake die Absage ab.

Wirklich. Hake sie ab.

Zweifel an der eigenen Person dürfen kurz da sein. Sie dürfen reflektiert werden. Aber dann müssen sie auch abgehakt werden. Sie blockieren Dich nur.

Niemals aufgeben – und wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Es ist völlig normal, nach mehreren Absagen frustriert zu sein. Es ist normal, sich zu fragen, ob man auf dem richtigen Weg ist. Aber es ist wichtig, nicht aufzugeben.

Wenn Du merkst, dass Du unsicher bist, ob Deine Bewerbungsunterlagen so sind, wie sie sein sollten, oder wenn Du Feedback zu Deinem Auftreten im Bewerbungsgespräch brauchst – dann nutze die Beratungsangebote, die es an jeder Hochschule im Career Service gibt.

Diese Career Services sind oft hervorragend vernetzt und geben Expertinnen-Rat zu allen Unterlagen und Verfahren rund um die Bewerbung und die Karriere nach dem Studium. Sie können Deine Unterlagen durchsehen, mit Dir Bewerbungsgespräche üben und Dir helfen, Deine Stärken besser zu formulieren.

Der Career Service der LMU findet sich hier: www.lmu.de/career-service

An anderen Hochschulen gibt es vergleichbare Angebote – meist kostenlos für Studierende und oft auch für Alumni. Nutze sie. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe zu holen. Im Gegenteil: Es ist ein Zeichen von Professionalität und Zielstrebigkeit.

Der Perspektivenwechsel: Was Absagen auch bedeuten können

Lass mich zum Abschluss noch einen anderen Blickwinkel eröffnen: Manchmal sind Absagen auch eine Form von Schutz. Ich erinnere mich gut, als ich 2008 einen Job nach wenigen Monaten während der Probezeit kündigte. Mein Bauch sagte mir schon nach wenigen Tagen: „Hier wirst Du nicht glücklich!” Und aus heutiger Sicht hätte ich viel früher gehen sollen.

Was mich hielt, war die Angst, dass meine Kündigung als Versagen gewertet würde und ich nie wieder einen Job finden würde. Tatsächlich aber hat mich nur einmal jemand sachlich und ohne Wertung danach gefragt. Meine kurze und ebenfalls sachliche Antwort dazu war: „Es hat einfach nicht gepasst. Ich habe mir den Job anders vorgestellt und vermutlich hat auch meine Arbeitgeberin etwas anderes erwartet, und so haben wir beschlossen, uns zu trennen.”

Das hat als Antwort gereicht. Was ich damit sagen will: Manchmal bewahrt Dich eine Absage vor einem Job, der nicht zu Dir gepasst hätte. Manchmal öffnet eine Absage Dir den Weg zu etwas Besserem, das Du noch gar nicht auf dem Schirm hattest.

Dein Weg ist richtig. Deine Entscheidungen sind richtig.

In den letzten Jahren setzt sich mehr und mehr eine Veränderung im Umgang mit Scheitern und Krisen durch. Sie werden (auch von Personalerinnen und Personalern) als normale Bestandteile einer Karriere, eines Lebens gesehen. Entscheidend ist, wie Du mit solchen Situationen umgehst, wie Du sie meisterst und was Du danach bewusst anders machst.

Genau darin liegt auch eine Chance für Dich: Wenn Du in einem Bewerbungsgespräch zeigen kannst, wie Du mit einer schwierigen Situation – sei es ein Studienwechsel, eine Absage-Serie oder eine Kündigung in der Probezeit – umgegangen bist und was Du daraus gelernt hast, dann stellst Du unter Beweis, dass Du in Deinem Leben eine schwierige Situation mit einem Neuanfang gemeistert hast.

Das ist eine wertvolle Kompetenz. Und eine, die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sehr schätzen.

Zusammenfassung: Die wichtigsten Punkte

  • Absagen sind normal und sagen nichts über Deinen Wert als Mensch aus
  • Bewerbungsentscheidungen sind subjektiv – verschiedene Personalerinnen bewerten unterschiedlich
  • Marginale Unterschiede entscheiden oft, nicht grundlegende Defizite Deinerseits
  • Kurz reflektieren, dann abhaken – Zweifel dürfen da sein, sollten aber nicht blockieren
  • Professionelle Hilfe durch Career Services nutzen, wenn Du unsicher bist
  • Krisen und Brüche gehören zu jedem Lebenslauf und können Stärken sichtbar machen

Du bist auf einem guten Weg. Auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt. Deine Fähigkeiten sind wertvoll. Dein Weg ist Dein Weg. Und es gibt da draußen einen Job, der zu Dir passt.

Niemals aufgeben.


Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Die inhaltliche Verantwortung und die fachliche Expertise liegen bei Dr. Stephan Pflaum. Die KI diente als Unterstützung bei der Strukturierung und sprachlichen Ausformulierung der Inhalte.


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